• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Stückzinsen nach Einführung der Abgeltungsteuer

12.09.2019

Meldung, Steuerrecht

Stückzinsen nach Einführung der Abgeltungsteuer

Beitrag mit Bild

©bluedesign/fotolia.com

Stückzinsen sind nach Einführung der Abgeltungsteuer ab dem Veranlagungszeitraum 2009 als Teil des Gewinns aus der Veräußerung einer sonstigen Kapitalforderung steuerpflichtig. Dies gilt auch, wenn die veräußerte Kapitalforderung vor dem 01.01.2009 erworben wurde. Dies hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden.

Stückzinsen sind das vom Erwerber an den Veräußerer der Kapitalforderung gezahlte Entgelt für die auf den Zeitraum bis zur Veräußerung entfallenden Zinsen des laufenden Zinszahlungszeitraums. Im ersten Streitfall vereinnahmte die Klägerin, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, im Streitjahr 2009 bei der Veräußerung einer Kapitalforderung offen ausgewiesene Stückzinsen. Sie hatte die veräußerte Kapitalforderung vor dem 01.01.2009 erworben.

Verfassungswidrige Rückwirkung?

Die Klägerin war der Auffassung, die Stückzinsen seien aufgrund der Übergangsregelung in § 52a Abs. 10 Satz 7 Halbsatz 1 EStG i.d.F. JStG 2009 vom 19.12.2008 (BGBl. I 2008, 2794) nicht steuerbar. Die erst durch das JStG 2010 vom 08.12.2010 (BGBl I 2010, 1768) eingeführte Regelung in § 52a Abs. 10 Satz 7 Halbsatz 2 EStG, nach der Stückzinsen, die nach dem 31.12.2008 zufließen, der Besteuerung unterliegen, führe zu einer verfassungswidrigen echten Rückwirkung.

Kein Erfolg vor dem BFH

Der BFH trat dem mit Urteil vom 07.05.2019 (VIII R 31/15)  entgegen. Nach seinem Urteil ist § 52a Abs. 10 Satz 7 Halbsatz 2 EStG i.d.F. des JStG 2010 keine verfassungswidrige rückwirkende, sondern eine verfassungsgemäße klarstellende Regelung.

Der BFH ordnet Stückzinsen, die nach dem 31.12.2008 zufließen, als Teil des Gewinns aus der Veräußerung einer Kapitalforderung gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG ein. Die spätere Festschreibung der Steuerpflicht der Stückzinsen durch das JStG 2010 habe lediglich die bestehende Rechtslage klargestellt. Die Stückzinsen seien bis zum Ende des Veranlagungszeitraums 2008 und auch ohne die Regelung in § 52a Abs. 10 Satz 7 Halbsatz 2 EStG i.d.F. JStG 2010 nach Einführung der Abgeltungsteuer und damit ab dem Veranlagungszeitraum 2009 steuerpflichtige Kapitaleinkünfte gewesen.

Stückzinsen sind steuerpflichtige Kapitaleinkünfte

Im zweiten Fall war die Steuerpflicht von Stückzinsen im Streitjahr 2010 streitig, die vor der Einführung des § 52a Abs. 10 Satz 7 Halbsatz 2 EStG durch das JStG 2010 vereinnahmt worden waren. Der BFH sieht in der Neuregelung für diesen Veranlagungszeitraum ebenfalls keine verfassungswirkende rückwirkende, sondern eine verfassungsgemäße Vorschrift, die die bestehende Rechtslage klarstellt (Urteil vom 07.05.2019 –  VIII R 22/15).

(BFH, PM vom 12.09.2019 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)

Unsere Empfehlung für tiefergehende Recherchen zum Thema Steuerrecht:
Owlit-Modul „Steuerrecht (Erich Schmidt)“


Weitere Meldungen


Steuerboard

Katrin Dorn


21.10.2026

Einkommensteuerreformgesetz 2027 (Update): Entlastung für Familien und Arbeitnehmer gepaart mit Gegenfinanzierung durch höhere Belastungen

Der Bundesrat hat am 16.10.2026 zum Entwurf eines Einkommensteuerreformgesetzes 2027 Stellung genommen, den die Bundesregierung am 02.09.2026 beschlossen hatte.

weiterlesen
Einkommensteuerreformgesetz 2027 (Update): Entlastung für Familien und Arbeitnehmer gepaart mit Gegenfinanzierung durch höhere Belastungen

Meldung

fabrikacrimea/123rf.com


21.10.2026

DRSC fordert einfachere Nachhaltigkeitsberichterstattung für Drittstaatenunternehmen

Das DRSC fordert einfachere Nachhaltigkeitsberichte für Drittstaatenunternehmen und einen stufenweisen Einstieg mit vier zentralen Berichtsstandards.

weiterlesen
DRSC fordert einfachere Nachhaltigkeitsberichterstattung für Drittstaatenunternehmen

Meldung

sdecoret/123rf.com


21.10.2026

Wer haftet, wenn KI einen Fehler macht?

Künstliche Intelligenz bietet Unternehmen große Chancen, birgt aber auch erhebliche finanzielle und rechtliche Risiken.

weiterlesen
Wer haftet, wenn KI einen Fehler macht?
DER BETRIEB

Haben wir Ihr Interesse für DER BETRIEB geweckt?

Sichern Sie sich das DER BETRIEB Bundle 
Zeitschrift + Datenbank für Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht