• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Steuerliche Anerkennung inkongruenter Gewinnausschüttungen

09.09.2024

Meldung, Steuerrecht

Steuerliche Anerkennung inkongruenter Gewinnausschüttungen

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat neue Richtlinien zur steuerlichen Anerkennung inkongruenter Gewinnausschüttungen veröffentlicht. Diese klären die Voraussetzungen, unter denen solche Ausschüttungen künftig steuerrechtlich anerkannt werden.

Beitrag mit Bild

©p365.de/fotolia.com

Am 04.09.2024 hat das BMF in einem Schreiben die Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 28.09.2022 (VIII R 20/20) aufgegriffen. Der BFH hatte entschieden, dass ein einstimmiger, punktuell satzungsdurchbrechender Beschluss über eine inkongruente Vorabausschüttung einer GmbH zivilrechtlich wirksam ist und somit der Besteuerung zugrunde zu legen sei. Damit widerspricht der BFH der bisherigen Auffassung des BMF, wonach inkongruente Gewinnausschüttungen nur unter bestimmten satzungsmäßigen Voraussetzungen steuerlich anerkannt wurden.

Umsetzung der BFH-Rechtsprechung

Das BMF akzeptiert nun inkongruente Gewinnausschüttungen steuerlich, wenn sie zivilrechtlich wirksam sind. Dies gilt insbesondere in folgenden Fällen:

  1. Abweichende Regelung im Gesellschaftsvertrag: Wenn im Gesellschaftsvertrag gemäß § 29 Absatz 3 Satz 2 GmbHG ein anderer Verteilungsschlüssel festgelegt wurde und die Ausschüttung diesem entspricht.
  2. Öffnungsklausel im Gesellschaftsvertrag: Wenn der Gesellschaftsvertrag eine Klausel enthält, die abweichende Gewinnverteilungen mit Zustimmung der betroffenen Gesellschafter ermöglicht.
  3. Punktuell satzungsdurchbrechender Beschluss: Wenn ein einstimmiger Beschluss gefasst wurde, der von keinem Gesellschafter angefochten wird, und sich die Wirkung auf diese einzelne Maßnahme beschränkt.

Für Aktiengesellschaften (AG) bleiben inkongruente Gewinnausschüttungen nur dann steuerlich anerkannt, wenn sie in der Satzung gemäß § 60 Abs. 3 AktG festgelegt wurden. Eine Anerkennung aufgrund einer Öffnungsklausel oder eines satzungsdurchbrechenden Beschlusses ist hier nicht möglich.

Das neue BMF-Schreiben ersetzt das bisherige vom 17.12.2013 und ist in allen offenen Fällen anzuwenden. Es steht ab sofort auf der Webseite des Bundesfinanzministeriums zur Verfügung und wird im Bundessteuerblatt Teil I veröffentlicht.


BMF vom 04.09.2024 / RES JURA Redaktionsbüro

Weitere Meldungen


Meldung

©Gehkah/fotolia.com


05.11.2026

Erbschaftsteuer: Teilzeitkräfte zählen voll mit

Bei der Erbschaftsteuer zählen auch angestellte Geschäftsführer und Teilzeitkräfte grundsätzlich als volle Beschäftigte mit.

weiterlesen
Erbschaftsteuer: Teilzeitkräfte zählen voll mit

Sponsored News

juris


05.11.2026

Datensichere KI für die Steuerberatung: Effizienzvorteile nutzen, Mandantendaten schützen

Künstliche Intelligenz eröffnet Steuerkanzleien neue Möglichkeiten, komplexe Sachverhalte schneller zu analysieren, Recherchen zu beschleunigen und Schriftsätze effizient zu erstellen. Gleichzeitig stellt sich eine zentrale Frage: Wie lassen sich die Vorteile generativer KI nutzen, ohne sensible Mandanten- und Falldaten zu gefährden? Antwort darauf gibt die juris KI-Suite.

weiterlesen
Datensichere KI für die Steuerberatung: Effizienzvorteile nutzen, Mandantendaten schützen

Steuerboard

Andreas Buchard


04.11.2026

Tax Compliance Praxis: Ausgewählte steuerliche Anwendungsfälle bei Dachfonds

Mehrstufige Beteiligungsstrukturen gehören in der Private-Equity-Praxis längst zum Alltag und treten in unterschiedlichen Ausprägungen auf.

weiterlesen
Tax Compliance Praxis: Ausgewählte steuerliche Anwendungsfälle bei Dachfonds
DER BETRIEB

Haben wir Ihr Interesse für DER BETRIEB geweckt?

Sichern Sie sich das DER BETRIEB Bundle 
Zeitschrift + Datenbank für Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht