Zahlen- oder personenbezogene Daten landen im Darknet: Vor dieser Entscheidung steht derzeit das Land Berlin. Zwei Millionen Euro fordern Cyberkriminelle, damit sie die bei einem Hackerangriff gestohlenen Daten nicht veröffentlichen. Was in Berlin für alle sichtbar verhandelt wird, erleben Unternehmen in Deutschland regelmäßig hinter verschlossenen Türen: Fast jedes zweite Unternehmen (45 %) war in den vergangenen zwölf Monaten von einem Ransomware-Angriff betroffen, oft werden dabei auch die IT-Systeme der Opfer verschlüsselt und blockiert, wodurch der gesamte Betrieb stillstehen kann. Bei 25 % ist dabei ein Schaden entstanden, bei 20 % blieb der Angriff ohne Folgen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang, damals waren 58 % aller Unternehmen von Ransomware-Attacken betroffen (34 % mit Schaden, 24 % ohne).
Warum Zahlen keine Sicherheit bringt
Die große Mehrheit der betroffenen Unternehmen zahlt nicht: 66 % haben den Erpressern nichts überwiesen. Jedes Fünfte (20 %) hat aber schon Lösegeld gezahlt, 14 % wollen oder können dazu keine Angabe machen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1.003 Unternehmen ab 10 Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Der aktuelle Fall in Berlin zeigt, vor welch schwieriger Entscheidung Opfer von Ransomware-Angriffen stehen. Richtig wäre, nicht zu zahlen. Jede Zahlung finanziert den nächsten Angriff. Und selbst wer zahlt, erhält keine Garantie: Weder für die Entschlüsselung seiner Daten noch dafür, dass die Täter die Daten nicht doch veröffentlichen oder weiterverkaufen“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Besser ist eine gute Vorbereitung auf den Ernstfall. Wer Backups besitzt und Notfallpläne aufgestellt hat, sorgt dafür, dass eine Verschlüsselung den Betrieb nicht über längere Zeit lahmlegt.“
Wer zahlt, zahlt meist sechsstellige Beträge
Wenn Unternehmen auf die Erpresser-Forderungen eingehen, geht es um erhebliche Summen. 37 % der zahlenden Unternehmen überwiesen zwischen 10.000 und 100.000 Euro, 24 % zwischen 100.000 und 500.000 Euro. 6 % zahlten zwischen 500.000 Euro und einer Million und 4 % sogar eine Million Euro oder mehr. 26 % machen zur Höhe keine Angabe, 3 % wissen es nicht.
Was Unternehmen tun können
Der Bitkom empfiehlt Unternehmen fünf Maßnahmen, um Ransomware-Angriffe abzuwehren und im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben:
- Die eigene IT-Landschaft kennen. Wer nicht weiß, welche Systeme, Datenbestände und Schnittstellen im Einsatz sind, hat keine Informationen zur eigenen Verwundbarkeit und kann nach einem Angriff die Betroffenheit nicht abschätzen. Eine aktuelle Übersicht über Systeme, Zugänge und Abhängigkeiten ist die Grundlage jeder Reaktion.
- Backups machen – und offline halten. Viele Unternehmen haben gar keine oder nur unvollständige Sicherungen ihrer Daten, das spielt Erpressern, die Daten verschlüsseln und den Zugang kontrollieren, in die Hände. Wer Backups besitzt, sollte sie vom Netz getrennt aufbewahren, damit sie sich nicht mitverschlüsseln oder stehlen lassen. Und das Zurückspielen gehört regelmäßig geprobt, nicht erst im Schadensfall.
- Zugänge absichern. Die konsequente Nutzung von Mehr-Faktor-Authentifizierung, ein striktes Rechtemanagement und die regelmäßige Löschung nicht mehr benötigter Konten schließen die Einfallstore, die Angreifer am häufigsten nutzen.
- Angriffe früh erkennen. Die unzureichende Erkennung von Sicherheitsvorfällen ist die häufigste Ursache dafür, dass aus einem Angriff ein Schaden wird. Protokolldaten müssen durchgängig ausgewertet und überwacht werden, um schnell reagieren zu können.
- Den Notfall üben. Ein Notfallplan ist ein Muss, und zwar so, dass auf ihn beim Ausfall der IT auch zugegriffen werden kann. Darin müssen Verantwortlichkeiten, Meldewege und vorbereitete Krisenkommunikation enthalten sein. Geübte Abläufe entscheiden über Stunden oder Wochen Stillstand.

