• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Pandora Papers: Steuerberater unter Generalverdacht?

04.11.2021

Meldung, Steuerrecht

Pandora Papers: Steuerberater unter Generalverdacht?

Das Abstimmungsergebnis im EU-Parlament zur Entschließung über die Pandora Papers fällt für den Berufstand ernüchternd aus. Anstelle eines ausgewogenen Ansatzes zur Verbesserung einer komplexen Gesetzesstruktur stellt die Mehrheit der Europaabgeordneten mit ihren Forderungen den Berufstand unter Generalverdacht, kritisiert der Deutsche Steuerberaterverband (DStV e.V.).

Beitrag mit Bild

©stockWERK/fotolia.com

Mit der Verabschiedung der Entschließung in der Plenarsitzung „Pandora Papers: Konsequenzen für die Bemühungen um die Bekämpfung Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung“ (2021/2922(RSP)) hat das EU-Parlament einem Forderungskatalog mit insgesamt 90 Punkten zur Geltung verholfen, der getrost als Rundumschlag bezeichnet werden kann.

Pandora Papers zeigen globale Probleme

Dabei stellen die Parlamentarier etwa „mit Bedauern“ fest, dass die geleakten „14 professionellen Anbieter von Offshore-Unternehmensdienstleistungen – darunter Anwaltskanzleien, Steuerberater und Vermögensverwalter – vermögende Privatpersonen bei der Einrichtung von Unternehmensstrukturen unterstützten, um ihr Vermögen von der Öffentlichkeit abzuschirmen.“ Leider führt das EU-Parlament nicht auf, dass diese Anzahl nach den Veröffentlichungen des International Consortiums of Investigative Journalists (ICIJ) weltweit zu sehen ist. Insbesondere sind nämlich Anbieter mit Sitz im Raum Karibik, persischer Golf und südchinesisches Meer umfasst. Die Pandora Papers weisen ausdrücklich darauf hin, dass die meisten Inhaber der Offshore-Unternehmungen aus Russland, dem Vereinigten Königreich, Argentinien und China kommen.

Europäischer Gesetzgeber kritisiert hiesigen Berufstand

Das Problem von Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung ist global und ist deshalb auch auf globaler Ebene anzugehen. Es ist nicht hilfreich, wenn der Europäische Gesetzgeber mit dem Finger auf den Berufsstand zeigt und einer Entschließung zustimmt, die darauf hinweist, dass „die Selbstverwaltung und Überwachung [des Berufsstands] nicht zur Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung tauge“. Genauso wenig ist es hilfreich, ein komplexes Aufsichtssystem einzuführen, dessen Funktionsfähigkeit in konkreten Fällen schon heute kritisch zu hinterfragen ist. Zudem sollte auch das nicht leichtfertig diskreditiert werden.

Schließlich sorgen die Angehörigen des Berufsstands nicht allein als Verpflichtete nach dem Geldwäschegesetz dafür, dass Steuerhinterziehung und Geldwäsche unterbunden werden. Insbesondere die berufsrechtlich verankerte Compliance-Funktion und die hochwertige, präventiv wirkende Beratungsleistung verhindern dies.

DStV: Mehr Personal für die FIU und Steueroasen austrocknen

Statt gegen den Berufstand zu Felde zu ziehen, wäre es sinnvoller, wenn die Europäische Union endlich ihren Einfluss geltend macht. Sie könnte Steueroasen wie die Virgin Islands oder Panama wirkungsvoll austrocknen. Vor allem sollten die Mitgliedstaaten ihre Behörden, insbesondere die sog. Financial Intelligence Units (FIU), endlich mit ausreichendem Personal und moderner Technik ausstatten.

Die Enthüllungen offenbarten, dass zahlreiche Politiker in die „Struktur“ der Pandora Papers verwickelt waren. Es wäre jedoch vollkommen verfehlt, wegen weniger schwarzer Schafe eine pauschale Verurteilung von Politikern und Politikerinnen vorzunehmen. Dieselbe Differenzierung muss aber auch der Berufsstand für sich in Anspruch nehmen dürfen.


DStV vom 02.11.2021 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro

Weitere Meldungen


Steuerboard

Sebastian Löcherbach


24.07.2026

Gebührenerhebung bei der verbindlichen Auskunft: Sachverhaltsbegriff, Mehrheit von Antragstellern und Verjährungsfrage

Die Gebühren für eine verbindliche Auskunft bemessen sich nach dem Gegenstandswert und können bei Nachfolge- und Umstrukturierungssachverhalten erhebliche Größenordnungen erreichen.

weiterlesen
Gebührenerhebung bei der verbindlichen Auskunft: Sachverhaltsbegriff, Mehrheit von Antragstellern und Verjährungsfrage

Meldung

©maho/fotolia.com


24.07.2026

Falsche Kilometerangaben beim Firmenwagen führen zu Steuerhinterziehung

Bei Firmenwagen müssen Kilometerangaben gegenüber Arbeitgeber und Finanzamt vollständig, richtig und nachvollziehbar sein.

weiterlesen
Falsche Kilometerangaben beim Firmenwagen führen zu Steuerhinterziehung

Meldung

peshkova/123rf.com


24.07.2026

KI-Ausfall würde viele Beschäftigte sofort ausbremsen

KI ist für viele Beschäftigte kein Zusatzwerkzeug mehr, sondern eine unverzichtbare Grundlage ihrer täglichen Arbeit.

weiterlesen
KI-Ausfall würde viele Beschäftigte sofort ausbremsen
DER BETRIEB

Haben wir Ihr Interesse für DER BETRIEB geweckt?

Sichern Sie sich das DER BETRIEB Bundle 
Zeitschrift + Datenbank für Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht