• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Keine Nichtigkeit bei Berichtigung fehlerhafter Feststellungsbescheide nach Verschmelzung

30.10.2024

Meldung, Steuerrecht

Keine Nichtigkeit bei Berichtigung fehlerhafter Feststellungsbescheide nach Verschmelzung

Ein Feststellungsbescheid gem. § 27 Abs. 2 KStG ist nicht bereits allein deshalb nichtig, weil die Feststellung auf einen Zeitpunkt erfolgt ist, zu dem die Gesellschaft bereits auf eine andere Gesellschaft verschmolzen war.

Beitrag mit Bild

©stadtratte /fotolia.com

Das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 24.05.2024 (5 K 12/24) befasst sich mit der steuerlichen Behandlung der Verschmelzung zweier Kapitalgesellschaften und der Berichtigung eines Feststellungsbescheides gemäß § 129 AO auf Grundlage des § 27 KStG. Es klärt insbesondere die Möglichkeit der Rückwirkung eines Berichtigungsbescheides auf den ursprünglich fehlerhaften Feststellungsbescheid und legt dar, wie ein Feststellungsbescheid unter bestimmten Voraussetzungen nicht nichtig ist.

Hintergrund des Falls

Eine Kapitalgesellschaft (A GmbH) wurde zum 01.12.2020 auf eine andere Kapitalgesellschaft (die Klägerin) verschmolzen. In diesem Zusammenhang stritten die Parteien über die steuerliche Einordnung einer Ausschüttung und über die Höhe des steuerlichen Einlagekontos der A GmbH. Die Finanzbehörde stellte das steuerliche Einlagekonto im Rahmen eines Feststellungsbescheides für den 31.12.2020 fest, obwohl die A GmbH zu diesem Datum bereits auf die Klägerin verschmolzen war. Später korrigierte die Finanzbehörde das Feststellungsdatum auf den 30.11.2020. Die Klägerin argumentierte, der ursprüngliche Bescheid sei nichtig und damit unwirksam, da er auf einen fehlerhaften Zeitpunkt abstellte.

Keine Nichtigkeit des Feststellungsbescheides durch falsches Feststellungsdatum

Das Finanzgericht entschied, dass der Feststellungsbescheid trotz eines fehlerhaften Datums nicht nichtig ist, solange er an die bestehende Rechtsnachfolgerin gerichtet ist. Entscheidend war, dass der Bescheid einen Rechtsnachfolgevermerk enthielt, der den Übergang des steuerlichen Einlagekontos auf die Klägerin dokumentierte. Auch die kurze Dauer zwischen dem faktischen Ende des Wirtschaftsjahres und dem im Bescheid genannten Datum stärkte die Wirksamkeit.

Rückwirkung der Berichtigung gemäß § 129 AO

Die Berichtigung des Feststellungsbescheides auf das tatsächliche Datum (30.11.2020) ist laut Finanzgericht rechtmäßig und wirkt rückwirkend auf den ursprünglichen Bescheid. § 129 AO erlaubt die Korrektur offensichtlicher Fehler wie eines falschen Datums, sofern das eigentlich Gewollte für den Empfänger klar erkennbar war. Da die fehlerhafte Datumsangabe lediglich als „mechanischer“ Fehler eingestuft wurde, konnte sie ohne Auswirkung auf den materiellen Bestand des Bescheides berichtigt werden.

Präklusionswirkung und steuerliche Einlagekonto-Feststellung

Das Finanzgericht stellte auch klar, dass die Bekanntgabe des Feststellungsbescheides für die erstmalige Feststellung maßgeblich bleibt. Dies gilt selbst dann, wenn eine Berichtigung gemäß § 129 AO später erfolgt und das steuerliche Einlagekonto zunächst auf einen falschen Stichtag festgesetzt wurde. Die Präklusionswirkung tritt also auch bei späterer Korrektur in Kraft, solange die ursprüngliche Absicht der Behörde für den Steuerpflichtigen erkennbar war.


FG Hamburg, NL vom 14.10.2024 / RES JURA Redaktionsbüro

Weitere Meldungen


Meldung

©M.Schuppich/fotolia.com


27.08.2026

Steuererklärung: Das Smartphone übernimmt, KI unterstützt

Immer mehr Steuerpflichtige nutzen KI und Apps für ihre Steuererklärung und zeigen zugleich großes Interesse an einer automatisch vorausgefüllten Ein-Klick-Lösung.

weiterlesen
Steuererklärung: Das Smartphone übernimmt, KI unterstützt

Steuerboard

Emanuel Benning


27.08.2026

Grundstücksübertragung im Zugewinnausgleich: Entgeltliche Veräußerung trotz familienrechtlicher Veranlassung?

Die Erfüllung güterrechtlicher Ausgleichsansprüche durch Immobilien wird in der Beratungspraxis häufig primär unter schenkung- und erbschaftsteuerlichen Gesichtspunkten strukturiert, insbesondere bei der Übertragung im Rahmen einer Güterstandsschaukel. Einkommensteuerlich kann dieselbe Übertragung jedoch eine erheblich andere Wirkung entfalten.

weiterlesen
Grundstücksübertragung im Zugewinnausgleich: Entgeltliche Veräußerung trotz familienrechtlicher Veranlassung?

Meldung

©jirsak/123rf.com


27.08.2026

Annahmeverzug: Kein Auskunftsanspruch zu Bewerbungen auf Stellenangebote

Das BAG begrenzt den Auskunftsanspruch des Arbeitgebers auf die Informationen, die er benötigt, um einen böswillig unterlassenen Zwischenverdienst darzulegen.

weiterlesen
Annahmeverzug: Kein Auskunftsanspruch zu Bewerbungen auf Stellenangebote
DER BETRIEB

Haben wir Ihr Interesse für DER BETRIEB geweckt?

Sichern Sie sich das DER BETRIEB Bundle 
Zeitschrift + Datenbank für Betriebswirtschaft, Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht