• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Großraumbüro: „Lärmschwerhörigkeit“ ist keine Berufskrankheit

26.02.2016

Arbeitsrecht, Meldung

Großraumbüro: „Lärmschwerhörigkeit“ ist keine Berufskrankheit

Beitrag mit Bild

Der für die Anerkennung einer gerade durch die berufliche Tätigkeit verursachten Erkrankung erforderliche Dauerschallpegel wird in einem Großraumbüro bei weitem nicht erreicht.

Das Landessozialgericht Baden-Württemberg hat klargestellt, dass die langjährige Arbeit in einem Großraumbüro auch dann keine Berufskrankheit „Lärmschwerhörigkeit“ verursacht, wenn sie mit Lärmeinwirkung durch Mitarbeiter, Klimaanlage, Kühlschrank und zeitweise Bauarbeiten verbunden ist.

In dem Streitfall war ein 48jähriger Ingenieur, der seit rund 15 Jahren in einem Großraumbüro bei der Robert Bosch GmbH beschäftigt ist, an Tinnitus und einer leichten Hörminderung erkrankt. Er wollte erreichen, dass diese Erkrankung von der Berufsgenossenschaft als Berufskrankheit anerkannt und entschädigt wird.

BG lehnt Anerkennung ab

Lärmmessungen in dem Großraumbüro hatten eine Lärmbelastung zwischen 50 dB und 65 dB ergeben. Ein von der Berufsgenossenschaft eingeschalteter ärztlicher Sachverständiger kam zum Ergebnis, dass diese Lärmbelastung viel zu gering sei, um die Erkrankung zu verursachen. Die vorliegende Hörminderung sei altersentsprechend nicht ungewöhnlich. Außerdem würden in Deutschland 3 bis 4 Millionen Menschen unter Ohrgeräuschen leiden, die von unterschiedlichsten Ursachen herrührten. Gestützt auf dieses Gutachten lehnte die Berufsgenossenschaft die Anerkennung einer Berufskrankheit ab.

Kein Erfolg vor Gericht

Das Landessozialgericht mit Beschluss vom 17.02.2016 (Az. L 6 U 4089/15) der Berufsgenossenschaft Recht gegeben. Die berufliche Tätigkeit muss Ursache für den eingetretenen Gesundheitsschaden sein. Das konnte hier nicht nachgewiesen werden. Eine „Lärmschwerhörigkeit“ kann sich nur bei einer hohen und lang andauernden Lärmbelastung entwickeln. In jedem Einzelfall erforderlich ist der Nachweis, dass die Lärmbelastung entsprechend hoch gewesen ist. Daran fehlte es vorliegend. Nach langjährigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien ist davon auszugehen, dass eine Lärmeinwirkung von mehr als 85 dB(A) als äquivalenter Dauerschallpegel bei einem Achtstundentag über viele Arbeitsjahre gehörschädigend ist. Dieser Wert wird vorliegend bei weitem nicht erreicht. Der Ingenieur war im Großraumbüro keiner derartigen Lärmeinwirkung ausgesetzt.

(LSG Stuttgart, PM vom 25.02.2016 / Viola C. Didier)


Weitere Meldungen


Meldung

©tunedin/fotolia.com


12.06.2024

Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz beschlossen

Das Musterverfahren hat sich als Instrument zur Bewältigung gehäuft auftretender gleichlaufender Klagen mit kapitalmarktrechtlichem Bezug bewährt.

weiterlesen
Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz beschlossen

Meldung

andreypopov/123rf.com


12.06.2024

Urlaubsgeld: So stehen die Chancen nach Beschäftigten- und Betriebsmerkmalen

Ob Beschäftigte Urlaubsgeld erhalten oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Der mit Abstand wichtigste ist, ob im Betrieb ein Tarifvertrag gilt.

weiterlesen
Urlaubsgeld: So stehen die Chancen nach Beschäftigten- und Betriebsmerkmalen

Meldung

©Thomas Reimer/fotolia.com


11.06.2024

Lange Laufzeiten von Tarifverträgen können Jobs vernichten

Kollektivverträge gelten auch dann, wenn sich die wirtschaftliche Lage drastisch verschlechtert. Das kann eine Entlassungswelle auslösen.

weiterlesen
Lange Laufzeiten von Tarifverträgen können Jobs vernichten

Haben wir Ihr Interesse für DER BETRIEB geweckt?

Sichern Sie sich das DER BETRIEB Gratis Paket: 4 Hefte + Datenbank