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27.05.2026

Arbeitsrecht, Meldung

Fehlzeiten-Rekord: Verhaltenswandel als Hauptursache

Krankheitsbedingte Fehltage von Beschäftigten in Deutschland sind 2022 stark gestiegen. Grund ist aber nicht primär die elektronische Krankschreibung – Atemwegserkrankungen und verändertes Verhalten nach der Pandemie sorgen für mehr Fehlzeiten am Arbeitsplatz, zeigt eine DIW-Studie.

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Die krankheitsbedingten Fehltage von Beschäftigten in Deutschland sind im Jahr 2022 deutlich gestiegen. Mit durchschnittlich 15 Tagen fehlte jede Person am Arbeitsplatz durchschnittlich 19% häufiger als im Vorjahr – ein neuer Höchststand. Entgegen verbreiteten Annahmen ist dieser Anstieg jedoch nicht primär auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) zurückzuführen. Entscheidend sind wohl vielmehr veränderte Verhaltensweisen nach der Corona-Pandemie und mehr Atemwegserkrankungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die sich auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) stützt.

Vor der elektronischen AU mussten die Beschäftigten den „gelben Schein“ noch selbstständig bei der Krankenkasse einreichen – ein Prozess, bei dem Meldungen häufig verloren gingen. Seit Januar 2022 können Arztpraxen die Krankmeldung elektronisch an die Krankenkasse übermitteln. „Der sprunghafte Anstieg der Fehlzeiten wurde deshalb vielfach als rein statistischer Effekt interpretiert“, erklärt Studienautor Markus Grabka vom SOEP. „Die SOEP-Daten sind davon jedoch unabhängig, da hier direkt die Fehltage erfasst werden, nicht die eingereichten Krankmeldungen.“ Und auch hier zeigte sich ein deutlicher Anstieg nach oben, wenn auch etwas geringer als in den offiziellen Daten: Während die Zahlen des Statistischen Bundesamtes um 32% zulegten, verzeichnet das SOEP eine Zunahme von 19%.

Zwei Gruppen mit besonders vielen Fehltagen

Um den Gründen für den starken Anstieg auf die Spur zu kommen, hat sich SOEP-Experte Grabka zum einen die Diagnosedaten der Krankenkasse AOK zu Krankschreibungen und zum anderen die Fehltage nach sozio-demografischen Merkmalen angeschaut. Die AOK-Daten zeigen für 2022 eine auffällige Zunahme der Atemwegserkrankungen. Zudem lassen sich soziodemografische Muster erkennen: „Insbesondere ältere Erwerbstätige und Beschäftigte mit großen Sorgen um ihre eigene Gesundheit fehlen häufiger krankheitsbedingt“, sagt Grabka. Bei diesen Gruppen haben 2022 zusätzlich noch die Fehltage besonders stark zugenommen. „Der sprunghafte Anstieg an Fehltagen erklärte sich demnach vor allem aus dem häufigeren Auftreten von Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig hat sich nach der Corona-Pandemie wohl das Verhalten im Krankheitsfall geändert“, erläutert Grabka. „Vulnerable Gruppen sind vorsichtiger geworden und bleiben gerade bei ansteckenden Erkrankungen eher zuhause als früher.“

Teilkrankschreibung empfohlen

Um die ohnehin seit 2008 gestiegenen Fehltage einzudämmen, haben unter anderem Arbeitgeberverbände vorgeschlagen, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu reduzieren oder Karenztage einzuführen. Dies ist nach Ansicht von Studienautor Grabka aber eher kontraproduktiv, weil es Präsentismus fördern könnte, also das Arbeiten trotz Krankheit. Grabka plädiert hingegen für die Einführung einer teilweisen Krankschreibung und damit verbunden eine abgestufte AU-Bescheinigung. „Eine Teilkrankschreibung könnte es nur leicht erkrankten Beschäftigten ermöglichen, in begrenztem Umfang tätig zu bleiben, etwa durch mobiles Arbeiten oder eine reduzierte Stundenzahl.“ Darüber hinaus empfiehlt er, Präventionsmaßnahmen stärker auszubauen – insbesondere im Bereich psychischer Gesundheit. Langfristige Analysen zeigen, dass psychische Erkrankungen zunehmend zu den wichtigsten Ursachen für Fehlzeiten zählen.


DIW vom 13.05.2026 / RES JURA Redaktionsbüro (vcd)

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