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06.01.2026

Meldung, Steuerrecht

E-Mobilität: Staat entgehen über 39 Milliarden an Steuern

Die Elektromobilität ist ein zentraler Bestandteil der deutschen Klimapolitik, doch sie kommt den Staat teuer zu stehen. Neben den direkten Kaufprämien führen auch steuerliche Begünstigungen zu massiven Einnahmeverlusten. Besonders betroffen sind die Energiesteuern, aber auch die Vorteile für Dienstwagen und die Kfz-Steuerbefreiung summieren sich.

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©pitinan/123rf.com

Die Bundesregierung hat beschlossen, im kommenden Jahr wieder den Kauf von Elektroautos zu fördern und Haushalten mit niedrigen bis mittleren Einkommen einen Zuschuss von bis zu 5.000 € zu gewähren. Das dürfte den Absatz von Elektroautos in Deutschland weiter deutlich steigen lassen. Nach EY-Prognosen wird die Zahl der Elektroautos (einschließlich Plug-in-Hybride, kurz: PHEV) bis zum Jahr 2030 im wahrscheinlichsten Szenario von aktuell 3,2 Millionen auf 9,4 Millionen steigen. Allein im kommenden Jahr wird ihre Zahl voraussichtlich um 600.000 zulegen.

Drastische Steuerausfälle erwartet

Für den deutschen Staat wird die steigende Zahl an Elektroautos auf Deutschlands Straßen aber teuer. Denn: Zusätzlich zu den drei Milliarden Euro, die die Bundesregierung in den kommenden zwei Jahren für Kaufprämien an E-Auto-Käufer auszahlen will, ergeben sich für den Staat Steuerausfälle in erheblichem Ausmaß. So führen der geringere Energieverbrauch von E-Autos, der niedrigere Steuersatz auf Strom im Vergleich zu Benzin oder Diesel sowie die niedrigere Besteuerung von elektrifizierten Dienstwagen und die Befreiung von Elektroautos von der Kfz-Steuer unterm Strich zu erheblichen Steuerausfällen. In Summe kostet der Wandel zur E-Mobilität den deutschen Staat bis 2030 39,1 Mrd. €.

Die größten Einnahmeausfälle ergeben sich bei den Energiesteuern (früher: Mineralölsteuer): Kumuliert ergeben sich für den Zeitraum 2025 bis 2030 Einnahmeausfälle in Höhe von insgesamt 29,8 Mrd. €. Dem stehen kumulierte Einnahmen aus dem Betrieb von Elektroautos (Stromsteuer) in Höhe von 8,3 Mrd. € bis 2030 gegenüber. Netto ergibt dies allein bei Umsatz-, Strom- und Energiesteuern ein Defizit von 21,5 Mrd. € gegenüber einem Szenario ohne Elektroautos.

Steuervorteile für Elektrodienstwagen schlagen zu Buche

Zusätzlich reißen die Steuervorteile für Elektrodienstwagen ein tiefes Loch in die öffentlichen Kassen: Allein im Jahr 2025 führt die geringere Versteuerung von elektrischen Dienstwagen zu Einnahmeausfällen von 0,8 Mrd. €. Dieser Wert wird in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen – auf 3,2 Mrd. € im Jahr 2030. In Summe ergibt sich für den Zeitraum 2025 bis 2030 ein Minus von 10,8 Mrd. € an Steuereinnahmen. Die Befreiung von Elektroautos von der Kfz-Steuer kostet den Staat bis 2030 weitere 3,9 Mrd. €. Sollten sich – wie zurzeit diskutiert – die Zielvorgaben für gewerbliche Flotten auf EU-Ebene verschärfen, werden sich die entsprechenden Steuerausfälle noch deutlich ausweiten.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Hierfür wurde der Elektrofahrzeugbestand anhand von Absatzprognosen modelliert, die in Kombination mit weiteren Ergebnissen einer weitgreifenden Marktmodellierungsstudie auf die Mehr- bzw. Wenigereinnahmen für den Bund schließen lassen.

Privatkunden bleiben Verbrennern treu

Tatsächlich ist unter deutschen Privatkunden zuletzt das Interesse am Kauf eines Elektroautos sogar gesunken: In einer Befragung von 1.000 Bundesbürgern, die im Herbst 2025 durchgeführt wurde, gaben nur noch 18% der Befragten an, dass ihr nächstes Auto ein Elektroauto sein soll – im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 26% gelegen. Der Anteil derer, die einen Verbrenner bevorzugen, ist hingegen von 40 auf 47% gestiegen. Die Umfrage wurde allerdings durchgeführt, bevor die Bundesregierung die neue Elektro-Förderung beschlossen hat. Die neue Elektro-Kaufprämie wird mit Sicherheit für einen Schub beim E-Auto-Absatz sorgen. Allerdings handelt es sich erneut um eine künstlich entfachte Nachfrage, die nicht nachhaltig ist.

Vergünstige Dienstwagenbesteuerung kostet bis 2030 fast 11 Mrd. €

Ein wichtiger Wachstumsmotor für die Elektromobilität in Deutschland ist die vergünstigte Besteuerung im Rahmen des Dienstwagenprivilegs: Wer einen rein elektrischen Dienstwagen privat nutzt, muss den geldwerten Vorteil nur mit 0,25% versteuern, während der Satz auf Benzinern und Diesel-Fahrzeugen bei 1% des Bruttolistenpreises pro Monat liegt. Bei Plug-in-Hybriden sind es 0,5%. Die vergünstigte Besteuerung von elektrischen Dienstwagen wird bis 2030 gemäß der EY-Analyse zu Steuerausfällen in Höhe von 10,8 Mrd. € führen.

Zur Einordnung: Im Jahr 2024 lagen die Einnahmen der Bundesrepublik Deutschland aus Energiesteuern (Diesel und Benzin) bei 35,1 Mrd. € – das entsprach 0,8% des Bruttoinlandsprodukts und 3,7% der gesamten Steuereinnahmen.


EY vom 03.01.2026 / RES JURA Redaktionsbüro (vcd)

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