• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Digitale Arbeitsorganisation: „Die Arbeitswelt steht an einem Scheideweg“

03.01.2017

Arbeitsrecht, Meldung

Digitale Arbeitsorganisation: „Die Arbeitswelt steht an einem Scheideweg“

Beitrag mit Bild

Neue digitale Arbeitsorganisation im Büro zwischen „Empowerment“ und „digitalem Fließband“.

Der digitale Umbruch trifft nahezu jeden. Welche neuen Formen der Arbeitsorganisation dabei entstehen und welche Folgen dies für die Beschäftigten hat, haben Wissenschaftler des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung erforscht.

„Die Arbeitswelt steht an einem Scheideweg“ – so lautet das Fazit der Studie. Einerseits droht unter den Stichworten „lean“ und „agil“ die Organisation von Kopfarbeit an einem „digitalen Fließband“, andererseits zeichnen sich neue Möglichkeiten für mehr Selbstbestimmung und ein „Empowerment“ der Beschäftigten ab. „Die Übertragung von Lean-Konzepten aus der Fertigung und der Einsatz von agilen Methoden aus der Software-Entwicklung sind zu einem neuen strategischen Trend in den Angestelltenbereichen geworden“, erklärt PD Dr. Andreas Boes, Vorstandsmitglied am ISF. Sein Forschungsteam hat in Betriebsfallstudien beide Entwicklungen untersucht und dafür mehr als 200 Interviews geführt. Deutlich wird: Es zeichnet sich eine grundlegende Wende in der Organisation von Arbeit und Wertschöpfung in den Büros der Angestellten ab.

Standardisierung und zeitliche Taktung

Die Software-Industrie steht dabei exemplarisch für diese Entwicklung. Agile Methoden, vor allem „Scrum“, kommen hier schon länger zum Einsatz und ersetzen das bürokratisch organisierte Wasserfallmodell mit seinen langen Planungs- und Projektlaufzeiten. Das heißt: Software wird nicht mehr auf Basis eines festgelegten Lastenhefts als Gesamtprodukt entwickelt, sondern in einzelne Teile zerlegt, die in kurzzyklischen Takten von zwei bis vier Wochen fertiggestellt und integriert werden. Das „Scrum-Team“ kann seine Arbeitslast dabei selbst bestimmen. Die Teammitglieder legen in täglichen Treffen ihr Wissen und den aktuellen Stand ihrer Arbeit offen.

Immer mehr Branchen ziehen nach

Das Prinzip, auch Kopfarbeit zu standardisieren, einer zeitlichen Taktung zu unterwerfen und sowohl das Expertenwissen als auch die individuellen Arbeitsergebnisse für alle transparent zu machen, verfolgen mittlerweile immer mehr Unternehmen. So experimentieren Forschungs- und Entwicklungsabteilungen im Maschinenbau oder der Automobilindustrie einerseits mit agilen Methoden, andererseits mit Elementen „Ganzheitlicher Produktionssysteme“ (GPS), die bislang nur in der Fertigung zum Einsatz kamen. Der Wandel macht auch vor den Verwaltungsbereichen nicht Halt. Die Arbeit in den Personal- und Finanzabteilungen oder im Vertrieb werde „immer standardisierter und prozessorientierter“, konstatieren die ISF-Experten. Der konkrete Arbeitsgegenstand, zum Beispiel eine Reisekostenabrechnung oder eine Bestellung, wird hier digitalisiert und in den „Workflow“ eingespeist; so genannte Ticket-Systeme versorgen den Einzelnen, „wie an einem Fließband“, kontinuierlich mit Aufträgen.

(Hans-Böckler-Stiftung, PM vom 19.12.2016/ Viola C. Didier)


Weitere Meldungen


Meldung

©pixbox77/fotolia.com


01.12.2023

Industrie-Investitionen in Klimaschutz 74 % gestiegen

Die Investitionen der Industrie sind binnen zehn Jahren um 74,3 % gestiegen, wie das Statistische Bundesamt vor dem Start der Weltklimakonferenz am 30.11.2023 mitteilt.

weiterlesen
Industrie-Investitionen in Klimaschutz 74 % gestiegen

Meldung

©alimyakubov/fotolia.com


01.12.2023

EuGH zum Tragen religiöser Zeichen am Arbeitsplatz

Eine Gemeinde in Belgien verbot einer Mitarbeiterin, im Dienst ein Kopftuch zu tragen. Der EuGH stellte klar, dass ein solches Verbot erlaubt ist.

weiterlesen
EuGH zum Tragen religiöser Zeichen am Arbeitsplatz

Meldung

©Gehkah/fotolia.com


30.11.2023

BFH schafft Klarheit in Bezug auf die Rahmenbedingungen der Steuerberaterprüfung

Der BFH hat sich mit dem Anonymitätsgrundsatz und dem Überdenkungsverfahren in der schriftlichen Steuerberaterprüfung befasst.

weiterlesen
BFH schafft Klarheit in Bezug auf die Rahmenbedingungen der Steuerberaterprüfung

Haben wir Ihr Interesse für DER BETRIEB geweckt?

Sichern Sie sich das DER BETRIEB Gratis Paket: 4 Hefte + Datenbank