04.07.2025

Arbeitsrecht, Meldung

Die gläserne Decke in Großkanzleien

Frauen starten juristisch genauso exzellent in Großkanzleien wie Männer, doch nur wenige schaffen es in die Führungsetagen. Die Partnerwahl folgt dort weniger der Leistung als einem überholten Idealbild. Warum sich Kanzleien damit selbst im Weg stehen und was sich ändern muss.

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Die großen Anwaltskanzleien beraten und vertreten Konzerne bei bedeutenden Transaktionen, sie spielen eine wichtige Rolle für den Unternehmenserfolg. Ihre hohen Honorare rechtfertigen sie mit Exzellenz und Verfügbarkeit. Bei der Auswahl ihres Top-Personals steht die Exzellenz allerdings nicht an erster Stelle: Obwohl ebenso viele Frauen wie Männer mit Prädikatsexamen in den 20 größten Kanzleien in Deutschland starten, werden nur 16 % Frauen als Partnerinnen berufen. In den Vorständen der DAX-Unternehmen ist der Frauenanteil mit 26 % trotz vergleichbarer Arbeitsbelastung bereits deutlich höher. Dies sind die Ergebnisse der Untersuchung „Augen auf bei der Partnerwahl“ der gemeinnützigen AllBright Stiftung.

Großkanzleien: Auf fünf Männer kommt eine Frau

An der Basis der Kanzleien beträgt der Frauenanteil 47 %, auf der höheren Ebene der Counsels und Salary Partner liegt er immerhin noch bei 37 %. Als geeignet für die Partnerschaft erscheinen dann aber nur 16 % Frauen: Strategische Entscheidungen und Profite sind den überwiegend männlichen Partnern vorbehalten. Da es in den Kanzleien kein Kontrollgremium gibt, haben Partnerinnen und Partner uneingeschränkte Entscheidungsmacht, der Besetzungsprozess lässt viel Raum für eine Auswahl nach dem Selbstähnlichkeitsprinzip. In der Folge sind die Partnerschaften der Großkanzleien deutlich homogener als die Vorstände der Unternehmen: der typische Kanzleipartner ist männlich, heißt Christian, ist deutsch ohne Migrationsgeschichte, promoviert und stets verfügbar.

Partnerwahl nach altem Muster

„Die Konzerne mit ihrem oft weiblichen Führungspersonal in den Rechtsabteilungen sind zu Recht zunehmend irritiert über die sehr männlich dominierten Beraterteams der Großkanzleien“, kommentieren Wiebke Ankersen und Christian Berg, die Geschäftsführer der AllBright Stiftung. „In den Kanzleien schaffen es nicht die Personen mit der besten Expertise an die Spitze. Es sind vielmehr die, die den Vorstellungen der sehr männlich geprägten Partnerschaften davon entsprechen, wer partnerfähig ist. Und das sind in erster Linie Männer, die für die Kanzlei möglichst viel Gewinn erwirtschaften und dafür auf ein Privatleben weitgehend verzichten. Wollen die Kanzleien wirklich die Besten, müssen sie sich dringend viel konsequenter um weibliche Exzellenz bemühen. Sie sollten jetzt damit beginnen, sich konkrete Ziele für einen höheren Frauenanteil in den Partnerschaften zu setzen – als starkes positives Signal nach innen und außen.“


AllBright Stiftung vom 01.07.2025 / RES JURA Redaktionsbüro (vcd)

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