28.02.2017

Betriebswirtschaft, Meldung

Deutschland ist Kernmarkt für Private Equity

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Trotz des Booms werden die Deals deutlich konservativer finanziert als vor der Finanzkrise. PwC-Experte Steve Roberts: „Wettbewerbsdruck wird die Preise 2017 weiter steigen lassen“

Beteiligungsfirmen haben 2016 in der DACH-Region insgesamt 214 Unternehmen übernommen. Die Erlöse von 25 Milliarden Euro bedeuten ein Plus von 83 Prozent. Brexit-Referendum spült noch mehr Beteiligungskaptal nach Deutschland.

Die DACH-Region entwickelt sich zur neuen Hochburg für privates Beteiligungskapital in Europa. Während der europäische Markt insgesamt auf hohem Niveau stagnierte, stieg die Zahl der Akquisitionen durch Private-Equity-Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz 2016 um 28 Prozent auf 214. Dabei flossen insgesamt 25 Milliarden Euro – ein Plus von erstaunlichen 83 Prozent und der beste Wert seit 2007 zeigt der neue Private Equity Trend Report der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Deutsche Private-Equity-Manager sprühen vor Optimismus

Die teuersten Deals entfielen dabei auf das vierte Quartal. So ging der Frankfurter Immobiliendienstleister Officefirst für 3,3 Milliarden Euro an den US-Investor Blackstone, während die ebenfalls amerikanische Carlyle Group für 2,9 Milliarden das deutsche Chemiegeschäft des französischen Ölkonzerns Total übernahm. Die steigende Fokussierung auf den deutschsprachigen Markt spiegelt sich im ausgeprägten Optimismus hiesiger Investoren, geht aus der PwC-Studie hervor. Während nur jeder dritte von insgesamt 250 befragten internationalen Private-Equity-Managern für 2017 mit weiterem Wachstum rechnet, sind es unter den deutschen Beteiligungsfirmen 43 Prozent. Dazu passt, dass sich vier von fünf deutschen Managern momentan mit der Entwicklung ihres Portfolios zufrieden zeigen. International sind es nur 42 Prozent.

Die Beteiligungsbranche erreicht einen neuen Reifegrad

Auffällig ist, dass der jetzige Private-Equity-Boom mit deutlich geringerem „Leverage“ – also mit weniger Schulden – auskommt als in den Rekordjahren vor der Finanzkrise. So finanzierten 2016 nur acht Prozent der deutschen Beteiligungsgesellschaften ihre Transaktionen mehrheitlich mit Fremdkapital; international waren es 22 Prozent. Umgekehrt begnügte sich jeder zweite deutsche Portfolio-Manager mit einer Debt-Quote von unter 40 Prozent, während es auf international nur jeder sechste war. „Die gesamte Branche ist reifer geworden – und für die deutschen Private-Equity-Häuser gilt das in besonderem Maße“, diagnostiziert Steve Robert, Partner und Leiter des Bereichs Private Equity bei PwC. „Die Zeiten, in denen Renditen vor allem mithilfe des sogenannten Financial Engineering erzielt wurden, sind vorbei. Stattdessen entwickeln die Beteiligungsfonds ihre Portfoliounternehmen heute operativ weiter, was sich auch in den immer längeren Halteperioden zeigt.“

Zukäufe werden teurer, Exits lukrativer

„Der Wettbewerbsdruck dürfte 2017 noch zunehmen – auch und gerade auf dem deutschen Markt“, so Roberts. Denn: „Die Chinesen machen, wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, allmählich ernst. Und auch viele deutsche Unternehmen befinden sich längst nicht mehr im Verkaufs-, sondern im Kaufmodus.“ Das Gute daran: Im gleichen Maße, wie Akquisitionen schwieriger werden, tun sich die Finanzinvestoren leichter, Abnehmer zu finden, wenn sie ihre Portfoliounternehmen abstoßen wollen. So stieg die Zahl der Exits in der Dach-Region im vergangenen Jahr auf 153 – ein Plus von knapp 19 Prozent. Den höchsten Exit Verkaufspreis im deutschsprachigen Raum erzielte der Finanzinvestor EQT mit dem Verkauf des Hamburger Leukoplast-Herstellers BSN Medical an den schwedischen Tempo-Produzenten SCA für 2,7 Milliarden Euro.

(PwC vom 25.02.2017/ Viola C. Didier)


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