Die DAX-Konzerne kommen bei Diversität und Entgeltgleichheit voran. Doch von echter Parität sind sie weiter entfernt, zeigt eine Studie von EY-Parthenon, für die die CSRD-Berichte der DAX-Unternehmen ausgewertet wurden.
Mehr Frauen im Top-Management
Auf der obersten Führungsebene – meist eine oder zwei Ebenen unter Vorstand und Aufsichtsrat – stieg der Frauenanteil 2025 von 26,6 auf 29,3 %. Damit sind jedoch weiterhin 70,7 % der Top-Management-Positionen mit Männern besetzt. In 54 % der DAX-Unternehmen sind Frauen auf dieser Ebene unterrepräsentiert, im Vorjahr waren es noch 61 %.
Auch im Vergleich zur Gesamtbelegschaft bleibt eine Lücke: Dort liegt der Frauenanteil im Schnitt bei 33,1 %. Nur acht DAX-Unternehmen beschäftigen insgesamt mehr Frauen als Männer, darunter Fresenius Medical Care, Fresenius, Allianz, Munich Re, Commerzbank und Adidas.
Im Top-Management schneiden Adidas mit 41 % und Beiersdorf mit 39 % Frauenanteil am besten ab. Besonders niedrig sind die Werte bei Rheinmetall und Infineon. EY-Parthenon-Expertin Janine Bartsch verweist auf gewachsene Strukturen, vor allem in Industrieunternehmen. Ein hoher Frauenanteil in der Belegschaft führe zudem nicht automatisch zu mehr Frauen in Führungspositionen.
Gender Pay Gap sinkt
Auch beim unbereinigten Gender Pay Gap zeigt sich Bewegung. Der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen sank bei den DAX-Konzernen von 12,2 auf 10,7 %. Damit liegt er unter dem deutschen Durchschnitt von 16 %. Allerdings beeinflussen methodische Änderungen einzelner Unternehmen das Bild. Ohne Continental, Rheinmetall und Daimler Truck fällt der Rückgang geringer aus. Die Unterschiede zwischen den Konzernen bleiben allerdings erheblich. Bei BMW verdienen Frauen im Schnitt 10 % mehr als Männer. In der Finanzbranche ist die Lücke dagegen besonders groß: Bei Munich Re und Commerzbank liegt der Verdienst der Männer jeweils 30 % höher, bei der Deutschen Bank sogar 38 %.
Transparenz steigt, aber Handlungsbedarf bleibt
Bartsch sieht die CSRD-Berichte als wichtigen Transparenzschub. Zugleich zeige sich weiterhin Interpretationsspielraum bei der Methodik. Strukturelle Faktoren wie männlich geprägte Führungsebenen, Beförderungs- und Ähnlichkeitsbias sowie unterschiedliche Rollenprofile wirkten fort. Der Befund bleibt daher ambivalent. Die Richtung stimmt, doch Chancengleichheit und Entgelttransparenz bleiben zentrale Baustellen der DAX-Konzerne.

