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10.08.2018

Crowdlending – noch keine Alternative zur Bank

Crowdlending – noch keine Alternative zur Bank

©ferkelraggae/fotolia.com

Nichts weniger als die Disruption des Bankenmarktes wurde dem Crowdlending prophezeit. Trotzdem machte Crowdlending weniger als 1 % des 2017 in Deutschland an KMU vergebenen Kreditvolumens aus. Deutsche Unternehmen setzen also weiterhin auf die etablierten persönlichen Beziehungen zu ihren Hausbanken.

Eine Bedrohung für Banken und hohe Wachstumsraten wurden dem Crowdfunding prophezeit. Neben den privaten Peer-to-peer-Krediten wurde der Schwarmfinanzierung ein großes Potenzial bei der Finanzierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) zugesprochen. Dies hatte Deloitte bereits 2015 zum Anlass genommen, das Crowdlending in diesem Segment genauer unter die Lupe zu nehmen. In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Kompetenzzentrum für Mittelstandsforschung der Universität Bamberg (EFAM) wurden Mittelständler in Deutschland befragt. Das Resultat damals: Crowdlending war noch kein ernst zu nehmender Konkurrent für den klassischen Bankenkredit. Insgesamt war es bei Unternehmenslenkern noch recht unbekannt.

Die Unternehmen kennen Crowdlending

Doch wie sieht es drei Jahre später aus? Immerhin ist diese Finanzierungsform nun einige Jahre alt und über die Start-up-Phase hinaus. Deloitte und EFAM haben erneut Mittelständler zum Thema Crowdlending befragt. Die knapp 250 teilnehmenden Unternehmen weisen in Mitarbeiterzahl und Umsatz eine ähnliche Größe wie bei der Befragung 2015 auf, nämlich einen Median von 65 Mitarbeitern und 10 Mio. EUR Umsatz. Die auffälligste Veränderung gegenüber 2015 ist, dass heute 82 % der befragten Unternehmen angeben, die Finanzierungsform Crowdlending zu kennen – 2015 waren es nur 48 %.

Hausbank bleibt der bevorzugte Finanzierungspartner

Obwohl die alternative Finanzierungsform bei der Bekanntheit deutlich zulegen konnte, bleibt die Hausbank der bevorzugte Finanzierungspartner. Nur ein Zehntel der Befragten glaubt daran, dass sich dies ändern könnte. Knapp die Hälfte der Unternehmen will in Zukunft die Bindung zur Hausbank sogar stärken. Ein Hauptgrund dafür könnte sein, dass der persönliche Ansprechpartner unverändert eine herausragende Rolle spielt. Lediglich 5 % der Teilnehmer gaben an, dass der persönliche Ansprechpartner für sie nicht wichtig sei. So überrascht es nicht, dass ebenfalls nur 5 % der Probanden ihren Kredit bevorzugt bzw. ausschließlich online abschließen wollen.

Kreditvergabe bei Banken transparenter

Nicht nur bei der persönlichen Betreuung punkten die Banken. Knapp 60 % der befragten Unternehmen empfinden die Kreditvergabe der Geldinstitute als transparenter im Vergleich zur Crowd. Besonders überraschend ist das schlechte Abschneiden in einer dem Crowdlending zugesprochenen Domäne: 76 % empfinden die Kreditbewilligungsdauer der Schwarmfinanzierung als schlechter, die Hälfte davon sogar als sehr viel schlechter. Auch die Flexibilität der Vertragsgestaltung und die Erreichbarkeit werden von jeweils rund 60 % der Befragten bei Banken als besser bzw. sehr viel besser angegeben.

Keine wirkliche Bedrohung für Banken

Von dem in Deutschland 2017 insgesamt an KMUs vergebenen Kreditvolumen – über 130 Mrd. EUR – machten Kredite über die Crowd weniger als 1 % aus. Crowdlending konnte zwar in diesem Segment an Bekanntheit und Volumen in den letzten Jahren zulegen, bleibt jedoch auf einem niedrigen Niveau und wächst nicht schnell genug, um Banken in den kommenden Jahren ernsthafte Konkurrenz zu machen. Längerfristig betrachtet könnte der Generationswechsel in den Leitungsfunktionen der Unternehmen dem Crowdlending zum Aufschwung verhelfen. Die Befragung konnte eine hohe Korrelation zwischen digitaler Technikaffinität und Bereitschaft zum Crowdlending aufzeigen. Da die Entscheidungsträger von morgen aus einer technologiegewohnten Generation stammen, erscheint ein steigendes Interesse an dieser Finanzierungsform wahrscheinlich.

(Deloitte, PM vom 08.08.2018 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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