Rechenzentren werden zu einer immer wichtigeren Infrastruktur für die europäische Wirtschaft und zugleich zu einem wachsenden Energie- und Ressourcenfaktor. Cloud-Dienste, Streaming und vor allem Anwendungen Künstlicher Intelligenz benötigen immer mehr Rechenleistung. Nach Angaben der EU-Kommission verbrauchen Rechenzentren weltweit derzeit rund 415 Terawattstunden Strom pro Jahr. Bis 2030 könnte sich der Verbrauch auf etwa 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. Als wesentlichen Treiber nennt die Kommission den Ausbau besonders rechenintensiver Anwendungen, vor allem im Bereich KI. Gleichzeitig verfolgt die EU das Ziel, ihre Rechenzentrumskapazitäten bis 2035 zu verdreifachen.
Damit stellt sich zunehmend die Frage, wie sich Europas digitale und KI-Ambitionen mit Energieversorgung, Klimazielen und knappen Ressourcen vereinbaren lassen. Neben dem Stromverbrauch rücken dabei etwa der Wasserbedarf für die Kühlung, die Herkunft des eingesetzten Stroms und die Nutzung der entstehenden Abwärme in den Fokus.
Einheitliches Rating soll Rechenzentren vergleichbar machen
Die EU-Kommission hat deshalb am 21.09.2026 eine Delegierte Verordnung für ein gemeinsames europäisches Bewertungssystem für Rechenzentren veröffentlicht. Sie ist Teil des neuen „Data Centre Energy Efficiency Package“. Ergänzend legte die Kommission einen Bericht über die Energieeffizienz von Rechenzentren in der EU vor. Das Rating soll die Nachhaltigkeitsleistung von Rechenzentren vergleichbarer machen. Bewertet werden unter anderem Energieeffizienz, Wassereffizienz, Nutzung sauberer Energie, Wiederverwendung von Abwärme und Flexibilität gegenüber dem Stromnetz. Die ersten entsprechenden Labels sind für 2027 vorgesehen.
Grundlage dafür ist ein bereits bestehendes EU-weites Berichtssystem. Die neugefasste Energieeffizienzrichtlinie verpflichtet Rechenzentren mit einem Leistungsbedarf von mehr als 500 Kilowatt zur Meldung verschiedener Energie- und Nachhaltigkeitsdaten. Eine europäische Datenbank sammelt unter anderem Angaben zum Energieverbrauch und zum Wasserfußabdruck.
Vom Transparenzinstrument zum Mindeststandard
Das Rating dürfte allerdings nur ein Zwischenschritt sein. Die Kommission arbeitet bereits an Mindestanforderungen für die Energieeffizienz neuer und bestehender Rechenzentren. Das Bewertungssystem schafft damit zugleich eine Datengrundlage für eine mögliche weitere Regulierung. Eine Prüfung des Bedarfs an EU-weiten Mindeststandards ist bis 2027 vorgesehen.
Für Unternehmen reicht die Bedeutung deshalb über die unmittelbar betroffenen Betreiber hinaus. Cloud-, Hosting- und KI-Dienste gehören inzwischen zur digitalen Infrastruktur zahlreicher Unternehmen. Einheitliche Nachhaltigkeitskennzahlen können künftig auch bei Beschaffung, Standortentscheidungen, Vertragsgestaltung und Nachhaltigkeitsstrategien eine Rolle spielen. Bereits bei der Vorbereitung des Ratings erklärte die Kommission ausdrücklich, dass das System auch eine bessere Beschaffung nachhaltiger digitaler Dienste ermöglichen soll.

