Homeoffice gehört für viele Beschäftigte inzwischen zum Arbeitsalltag. Doch zwischen individuellen Wünschen und betrieblichen Möglichkeiten besteht weiterhin eine deutliche Lücke. Eine neue Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Weichen die tatsächlichen Regelungen stark von den Präferenzen der Beschäftigten ab, steigen Unzufriedenheit, Belastung und gesundheitliche Beschwerden.
Hybride Arbeit hat sich etabliert
Seit Mitte 2021 arbeiten etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen überwiegend im Betrieb, rund ein Viertel wechselt zwischen Büro und Zuhause. Besonders verbreitet ist mobiles Arbeiten bei Akademikern sowie in Energieversorgung, Medien, Finanzwirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Im Bau, Handel, Gesundheitswesen, Gastgewerbe oder in der Logistik bleiben die Möglichkeiten dagegen begrenzt.
Diese Unterschiede sind für Arbeitgeber entscheidend. Homeoffice ist kein universell einsetzbares Modell. Ob mobiles Arbeiten funktioniert, hängt von Tätigkeit, Zusammenarbeit, Kundenkontakt, Datenschutz und Führung ab. Ein pauschaler Anspruch würde den betrieblichen Realitäten vieler Branchen nicht gerecht.
Unzufriedenheit wird zum Personalrisiko
Beschäftigte mit geeigneten Tätigkeiten würden im Durchschnitt gern gut die Hälfte ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen. Tatsächlich ist es etwas mehr als ein Drittel. Rund 25% wünschen sich mindestens 30 Prozentpunkte mehr Homeoffice, 10% wollen weniger. Besonders hoch ist die Unzufriedenheit bei Beschäftigten, die von Rückkehrprogrammen ins Büro betroffen sind. Weichen Wunsch und Realität um mindestens 20 Wochenstunden voneinander ab, berichten 18% von hoher Arbeitsbelastung und 28% von einem schlechten Gesundheitszustand. Ohne Änderungswunsch liegen die Werte bei 6% und 14%.
Arbeitgeber müssen differenzieren
Die Studie liefert kein Argument für möglichst viel Homeoffice, sondern für passgenaue Lösungen. Unternehmen sollten Anwesenheit nicht allein aus Kontroll- oder Traditionsgründen verlangen, zugleich aber Zusammenarbeit, Einarbeitung, Innovation und Teamkultur berücksichtigen. Sinnvoll sind transparente Kriterien nach Aufgabenprofil, verbindliche Präsenztage und regelmäßige Überprüfungen. Häufig kann bereits ein zusätzlicher Homeoffice-Tag die Zufriedenheit erhöhen. Entscheidend bleibt jedoch, dass mobiles Arbeiten den Beschäftigten nutzen muss, ohne deren Leistungsfähigkeit und betriebliche Abläufe zu beeinträchtigen.

