07.01.2026

Meldung, Steuerrecht

Steuersätze in Europa gleichen sich an

Das Update des Mannheim Tax Index 2025 zeigt: Die relative steuerliche Standortattraktivität verändert sich bei Niedrig- und Hochsteuerstandorten nur wenig. Gemessen an der effektiven Durchschnittssteuerbelastung (EATR) steigen jedoch in mehreren mittel- und osteuropäischen Staaten die Körperschaftsteuersätze und nähern sich dem EU-Durchschnitt an.

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ZEW Länder-Ranking Unternehmenssteuern

In einigen Ländern steigen die Steuersätze spürbar: Estland erhöht den allgemeinen Körperschaftsteuersatz von 20 auf 22% und schafft den reduzierten Satz von 14% ab, Litauen hebt ihn von 15 auf 16% und die Slowakei sogar von 21 auf 24%. Bereits im Vorjahr ihre Steuersätze erhöht hatten Slowenien (von 19 auf 22%) und Tschechien (von 19 auf 21%). Treiber dieses Trends sind die Belastungen durch die multiplen Krisen der letzten Jahre und damit der gestiegene Bedarf für stabilisierte Staatseinnahmen.

Deutschland nähert sich konkurrenzfähigem Steuerniveau

„Derzeit beobachten wir in der EU die Abkehr von einer aggressiven Steuerpolitik, bei der Standortvorteile vor allem durch sinkende Steuersätze geschaffen werden. Vor diesem Hintergrund ist die geplante Senkung des kombinierten Unternehmenssteuersatzes bis 2032 von rund 30 auf 25% in Deutschland ein sinnvoller Schritt. Damit nähert sich Deutschland wieder einem konkurrenzfähigen Steuerniveau an, ohne direkt in einen europäischen Unterbietungswettbewerb einzusteigen. Entscheidend wird allerdings sein, Investitionen stärker über die steuerliche Bemessungsgrundlage zu fördern, denn hier liegen die größten Hebel, um die Kapitalkosten wirksam zu senken und zusätzliche Investitionsanreize zu setzen“, erklärt Julia Spix, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“.

Investitionsanreize wirken über Kapitalkosten

Während Steuersatzänderungen die EATR deutlich beeinflussen, wirken sich indirekte Steueranreize (z.B. Abschreibungsregeln) insbesondere auf die Kapitalkosten aus, also auf die Rendite, die eine Investition vor Steuern mindestens erzielen muss, damit sie nach Steuern im Vergleich zu einer alternativen Geldanlage am Finanzmarkt noch attraktiv ist. In Hochsteuerländern ist die Spannbreite groß: In den letzten zehn Jahren lagen die Kapitalkosten in Italien und Portugal bei durchschnittlich 4,6% (Patente) bzw. 4,1% (Maschinen). Das Vereinigte Königreich hingegen senkte trotz Anhebung des Körperschaftsteuersatzes auf 25% im Jahr 2023 die Kapitalkosten für Maschinen durch vollständige Sofortabschreibung auf 4,7%. Deutschland bietet großen Unternehmen derzeit deutlich weniger Anreize: Kapitalkosten von 5,7% (Patente) bzw. 6,4% (Maschinen) liegen klar über dem angenommenen Marktzins der Geldanlage von fünf Prozent.


ZEW vom 05.01.2026 / RES JURA Redaktionsbüro (vcd)

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